Ivo Mayr

Leichtkraft

Die Bildserie „Leichtkraft“ ist ein Spiel mit den Sehgewohnheiten des Betrachters. Kernidee ist es, Fotos durch eine einfache Drehung aus ihrem eigentlichen Kontext zu lösen. Die dadurch hervorgerufene Irritation zwingt den Betrachter genauer hinzusehen, um das ungewohnte Bild zu verstehen – das Bild bekommt eine ganz andere Bedeutung. Bilder mit klar definierten Objekten (Häuser, Autos, Bäume, etc.) können in der Regel auch im gedrehten Zustand vom Betrachter sofort eingeordnet werden, da er intuitiv weiß, wo oben und unten ist. Weichen Fotografien jedoch von unseren täglichen Sehgewohnheiten ab, sind sie schon für sich genommen oft nicht auf den ersten Blick zu erschließen. Wird ein solches Bild zusätzlich gedreht, bleibt es dem Betrachter verschlossen. Es wird abstrakt.

Umsetzung:
Ich fotografiere Menschen im öffentlich urbanem Raum mit viel Beton und flächigen Elementen. Der Ausschnitt der Fotos ist sehr reduziert und abstrakt gehalten. An
diesen Plätzen lasse ich Menschen agieren in gestellten Posen, die Bewegungen
und Haltungen andeuten, die in Wirklichkeit so nicht möglich wären. Erst durch die Drehung des Bildes erhalten die Posen ihre Bedeutung. Eine Frau, die eigentlich auf
dem Boden liegt, scheint auf einmal zu stehen und droht tief zu fallen. Die Schwerkraft scheint aufgehoben. Wo die Schwerkraft tatsächlich wirkt, ist erst auf den zweiten Blick erkennbar: Es sind z.b fallende Haare bzw. Kleidung, die den entscheidenden Hinweis geben.
Eine besondere Bedeutung ist deshalb auch der Mode zuzuschreiben. Es werden
Farben gewählt, die sich deutlich von der Tristesse des Betons abheben, um die
Posen deutlich hervorzuheben und damit die diskreten räumlichen Hinweise herauszuarbeiten.

Light-weight

The picture series „Leichtkraft“ plays with the viewing habits of the observer. The main idea is to seperate photos from their actual context through a simple rotation. This creates confusion for the observer and forces him to have a closer look in order to understand the „ strange“ picture

Implementation:
I take pictures of people in open urban spaces with a lot of concrete and flat elements. The frame of the photos is very reduced and abstract. In these locations i then have people act in artificial poses that suggest movements and postures which would not be possible like that in real life. Gravitation seems to be abolished. Where gravitation really acts can only be seen at a second glance. hanging hair or falling clothes give a clue for example.